Mein Scheitern war mein größtes Geschenk
Als ich aufgrund mangelnder Konzern-Konformität mit 30 Jahren bei Gruner + Jahr gehen musste, war das ein Bruch in meiner Biografie, die bis dahin vor allem durch „schneller, höher, weiter“ geprägt war. Dieser Bruch nahm mir zunächst vor allem eines: Sicherheit, Status und ein Stück vermeintlicher Identität.
Es war kein bewusst geplanter Aufbruch, sondern ein erzwungenes Innehalten – ein Moment, in dem etwas endete, ohne dass schon klar war, was eigentlich beginnen sollte.
Rückblickend war es genau dieser Kontrollverlust, der mir eine Entwicklung ermöglicht hat, die ich mir selbst im gesetzten Rahmen vermutlich nie erlaubt hätte.
Erst durch diesen Einschnitt habe ich mich - nach weiteren vier Jahren und zwei weiteren, noch unpassenderen Panik-Karriereschritten - von der Vorstellung gelöst, dass äußerer Erfolg automatisch zu innerer Stimmigkeit führt. Erst dadurch bin ich in die Selbständigkeit gegangen – und damit in ein Leben, das deutlich selbstbestimmter und näher an meinen eigenen Werten ist, als es mein damaliger Karrierepfad je zugelassen hätte.
Ich habe eine Weile gebraucht, aber dann gelernt, dass Glück nicht die Folge von Erfolg ist, sondern seine Voraussetzung. Mein vermeintliches Scheitern hat mir genau das ermöglicht: zu zerbrechen, meine Prioritäten neu zu ordnen und Erfolg neu zu definieren – nicht über Sichtbarkeit oder Macht, sondern über Sinn, Authentizität, Beziehungen und Klarheit.
Diese Klarheit wirkt bis heute nach.
Sie erlaubt mir auch, Beratung auf einem ganz anderen Niveau zu machen: Einerseits kompromissloser in der Analyse, direkter in der Ansprache und wirksamer in der Umsetzung. Nicht, weil ich härter geworden bin, sondern weil ich weniger bereit bin, um Wesentliches herumzureden – bei meinen Kunden genauso wie bei mir selbst.
Andererseits menschenorientierter, weil ich mich öffnen kann, nicht verstecken muss und somit ausstrahle, dass ich die menschliche Ebene der Organisation nicht nur kenne, sondern auch berücksichtige und schätze.
Nicht jeder Bruch ist ein Rückschritt. Manche sind eine Einladung, sich selbst ernster zu nehmen als den eigenen Lebenslauf.
Was wäre, wenn dein größter beruflicher oder persönlicher Bruch kein Fehler war, sondern ein Wendepunkt, den du erst im Rückblick als Geschenk erkennen kannst?
Beschäftigt dich diese Frage gerade selbst? Dann lass uns in einem unverbindlichen Erstgespräch darüber sprechen.
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