Es geht nie ums Wegnehmen – sondern ums Dazugeben
Es geht nie darum, etwas wegzunehmen – sondern immer darum, etwas dazuzugeben...
Wie oft sitzt mir jemand im Coaching gegenüber und sagt: „Ich will diese Eigenschaft endlich loswerden.“
Die Angst. Die Wut. Das ständige Grübeln. Die Selbstzweifel.
Doch so funktioniert Veränderung nicht. Wir können nichts einfach „entfernen“. Verhaltensweisen haben meist substanzielle Ursachen – oft tief verwurzelt, nachvollziehbar, manchmal sogar genetisch geprägt.
Wirkliche Entwicklung entsteht durch Ergänzung. Indem wir etwas hinzufügen, das das Störende in Balance bringt – und dadurch Flexibilität, Ganzheitlichkeit und persönliches Wachstum ermöglicht.
Diese Haltung hat eine tiefe psychologische und philosophische Tradition:
- Arnold Beisser sprach von der „paradoxen Theorie der Veränderung“: Entwicklung geschieht nicht durch Streben nach einem Ideal, sondern durch Akzeptanz des Ist-Zustands – und die Offenheit, neue Kräfte dazuzunehmen.
- C. G. Jung sah Fortschritt in der Integration von Gegensätzen – nicht im Verdrängen, sondern im Ergänzen.
- Und Heraklit betonte schon vor über 2.000 Jahren: Transformation entsteht im Zusammenspiel der Gegensätze.
Was heißt das konkret für Persönlichkeitsentwicklung?
- Wenn Du unter Ängsten leidest, brauchst Du nicht Angstfreiheit – sondern mehr Vertrauen, das die Angst in Balance bringt.
- Wenn Dich Deine Aggressionen stören, kannst Du Achtsamkeit entwickeln, um flexibler zu reagieren.
- Wenn Du zu stark in der Zukunft lebst, kannst Du lernen, die Wahrnehmung des Moments zu ergänzen – ohne den Weitblick zu verlieren.
- Deine Selbstkritik muss nicht verschwinden – aber sie kann durch Mitgefühl für Dich selbst relativiert werden.
Wachstum entsteht durch Ganzheitlichkeit – nicht durch Reduktion. Transformation beginnt mit Balance und Flexibilität.
Und im Business-Kontext? Ganz ähnlich.
- Eine hierarchische Organisation muss nicht von heute auf morgen ihr Organigramm auf den Kopf stellen – sie kann durch offene Kommunikationsräume Beweglichkeit hinzugewinnen.
- Ein technokratischer Prozess wird nicht menschlich, weil man Technik reduziert – sondern indem man empathische Elemente hinzufügt.
- Und wer unter Entscheidungshemmnissen leidet, braucht keinen Aktionismus – sondern klare Priorisierungen und nächste Schritte.
Veränderung geschieht, wenn wir den Mut haben, etwas Neues dazuzugeben. Bei uns selbst – und in unseren Organisationen.
Beschäftigt dich diese Frage gerade selbst? Dann lass uns in einem unverbindlichen Erstgespräch darüber sprechen.
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