Ein gutes Meeting ist nicht, wenn sich alle wohlfühlen
Ich habe lange gedacht, ein Meeting sei gut, wenn alle sich wohlfühlen.
Wenn alles sachlich bleibt, ruhig, höflich. Wenn niemand laut wird, niemand sich ärgert, niemand weint.
Ich konnte stundenlang Meetings durchmoderieren, ohne ein einziges Gefühl zu zeigen – oder zu erzeugen. Und ich dachte: So muss das sein, denn ich wurde oft dafür gelobt: Für meine Ausgewogenheit und meine Ruhe. Für meine Professionalität.
Aber innerlich war ich oft unzufrieden und erschöpft, weil ich spürte, dass da etwas fehlte, dass unter dieser ruhigen Oberfläche etwas gärte und keine echten, nachhaltigen Lösungen gefunden wurden. Dass ich die Menschen und ihre Emotionen aussperrte.
Und trotzdem: Bloß nicht stören. Bloß keine Unruhe.
Der Weg zur Konfliktfähigkeit war für mich ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Kein Befreiungsschlag – sondern harte Arbeit und das Überwinden von Mustern und Widerständen. Ich musste lernen, mich nicht vor der Spannung und Unsicherheit zu schützen, sondern sie zu halten. Ich musste ertragen, dass man mich unbequem findet und dass es chaotisch werden kann, emotional, echt.
Aber es hat sich gelohnt. Auch letzte Woche wieder:
Ein Meeting bei einem Mandanten: Prozessoptimierung und Zusammenarbeit.
Eine halbe Stunde lang wurde gesprochen – sachlich, höflich, oberflächlich, ziellos.
Aber die wahren Themen blieben draußen:
Mangel an Vertrauen in die Kollegen. Ungleich verteilte Last. Die Angst, Einfluss zu verlieren. Mangelnde Wertschätzung.
Dann habe ich den Konflikt aktiv gesetzt. Nicht, um zu provozieren – sondern um Raum zu schaffen.
Und ja: Es wurde laut. Es wurde emotional. Es wurde persönlich.
Aber genau dadurch wurde es auch wahr.
Und erst danach war Veränderung möglich – weil endlich gesagt wurde, was längst gespürt wurde.
Veränderung beginnt nicht mit Einigkeit und Harmonie. Sondern mit der Erlaubnis, dass es auch weh tun darf. Und manchmal braucht es den Mut und die Fähigkeit, den Konflikt selbst zu entzünden.
Was ist deine Erfahrung mit Konflikten in Teams oder Projekten? Was braucht es deiner Meinung nach, damit echte Veränderung möglich wird?
Beschäftigt dich diese Frage gerade selbst? Dann lass uns in einem unverbindlichen Erstgespräch darüber sprechen.
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