„80 Prozent reichen.“ – Wirklich?
„80 % reichen.“ – Wirklich?
In vielen Coachings aber auch in Beratungsprojekten höre ich Sätze wie:
- „Ich will lernen, nicht mehr so perfektionistisch zu sein.“
- „Wir müssen nicht immer alles zu 100 % machen. Denk an Pareto.“
- "Lass uns das pragmatisch lösen."
Perfektionismus scheint per se eine negative Konnotation bekommen zu haben, weil er gleichgesetzt wird mit Ineffizienz und dem Streben nach Sinnlosem. Das klingt oft vernünftig – und manchmal ist es das auch. Doch diese Haltung birgt ein Risiko, wenn sie unreflektiert verallgemeinert wird: Sie verabsolutiert eine eigentlich situationsabhängige Strategie.
Die US-Psychologin Brené Brown spricht in diesem Zusammenhang ("clarity is kindness") davon dass Klarheit, auch über die eigenen Maßstäbe und Ambitionen, essenziell ist für einen gesunden Umgang mit sich selbst.
Und der Organisationspsychologe Adam Grant weist darauf hin, dass Perfektionismus nicht per se problematisch ist – entscheidend sei, ob er aus Angst oder aus Begeisterung entstehe.
Die zentrale Frage lautet also nicht: Wie viel Perfektion ist gesund?
Sondern: Was verlangt diese konkrete Situation – und bin ich bereit und flexibel genug, um sinnvoll darauf zu reagieren?
Will ich ein Ziel wirklich erreichen – aus innerer Überzeugung heraus? Dann darf ich auch 100 % geben, ohne mich dafür zu rechtfertigen.
Will ich lediglich „einen Haken dranmachen“, ist eine pragmatische Lösung oft völlig ausreichend – und klüger.
Diese Unterscheidung ist keine Schwäche, sondern Ausdruck von Souveränität.
Gerade im beruflichen Kontext zeigt sich hier oft die wahre Führungsstärke:
Nicht überall Exzellenz zu verlangen, aber dort, wo es darauf ankommt, kompromisslos dafür einzustehen. Und die Voraussetzung dafür ist, dass der eigene Perfektionismus genau wie das pragmatische Wegschaffen nicht Ausdruck unumstößlicher Glaubenssätze oder mangelnder Leistungsfähigkeit sind, sondern variabel eingesetzt werden können.
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